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Industriestrompreise sinken auf 2,33 ct/kWh in 2016

21.07.2017

Ende Juni hat das baden-württembergische Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft den jährlich fortgeschriebenen Energiepreisbericht für 2016 veröffentlicht. Der im Auftrag des Ministeriums erstellte Bericht stammt von Ecofys, einem Beratungsunternehmen mit dem Schwerpunkt nachhaltige Energiesysteme.

Eine Prüfung durch den Großabnehmerverband Energie Baden-Württemberg e.V. ergab inhaltliche und methodische Mängel. So wurden Preisbestandteile wie die Konzessionsabgabe für Sondervertragskunden nicht berücksichtigt oder bei der Industrie nicht Durchschnittswerte für die einzelnen Cluster herangezogen, sondern Extremwerte. Für die energieintensive Industrie wurde das fiktive Beispiel eines Aluminiumwerkes mit einem Verbrauch von 1.950 GWh/a und einem Netz-Sonderanschluss gewählt. Ecofys geht davon aus, dass Industrieunternehmen zu besonders günstigen Preisen einkaufen und dabei niedrigere Preise als die durchschnittlichen Börsenstrompreise erzielen.

Auf Basis dieser Annahmen ermittelte Ecofys für die energieintensive Industrie einen Strompreis (inklusive Netznutzung, Steuern und Abgabe) in Höhe von 2,33 ct/kWh. Zum Vergleich: Laut Eurostat/GAV beträgt der Strompreis für Unternehmen mit einem Verbrauch zwischen 70 und 150 GWh/a 8,77 ct/kWh (ohne erstattungsfähige Steuern und Abgaben). Ecofys greift bei ihrer Preisprognose für die energieintensive Industrie nicht auf die Börsenstrompreise zurück, sondern versucht eine Abschätzung (Rückrechnung) auf Basis von Eurostat-Daten. Die Datenbasis von Eurostat ist für dieses Segment nachweislich nicht sehr valide. Dies zeigen interne Berichte der EU-Kommission an das europäische Parlament vom 30.11.2016 („Aufgrund mangelnder Daten wurde empfohlen, Details, Transparenz und Konsistenz der Datenerhebung für Energiepreise zu verbessern.“).

Bei der KWKG-Umlage greift Ecofys auf eine veraltete Mittelfristprognose (Stand 14.11.2014) der Übertragungsnetzbetreiber zurück. Es ist allgemein bekannt, dass diese Prognose nicht mehr weitergeführt wurde („Aufgrund der Novellierung des KWKG und den damit unsicheren Rahmenbedingungen sowie mangelnder Datenbasis für neue Fördertatbestände kann keine belastbare Mittelfristprognose zur Entwicklung der nach dem Kraft-Wärme-Kopplungsgesetz (KWKG) geförderten Strommengen sowie der Zuschlagszahlungen für Neu- und Ausbau von Wärme-/Kältenetzen und -speichern erstellt werden. Die Veröffentlichung der KWK-Mittelfristprognose wird somit eingestellt.“).

In Kombination mit weiteren, fachlichen Mängeln, stellt diese Studie keine neutrale Sicht auf die aktuelle Strompreissituation der Industrie dar und ist in Bezug auf die zukünftige Entwicklung (prognostizierte Strom-Beschaffungspreise in 2023 zwischen 1,85 und 2,45 ct/kWh) eher spekulativ.

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